Kritiken

zur Premiere in Stuttgart

Stuttgart liegt im Blutrausch. Schuld daran sind die Vampire. (...) Die Blutsauger sollen dem zuletzt finanziell arg angeschlagenen Konzern die bitter nötige Transfusion verpassen. Das könnte sogar klappen. Der Tanz der Vampire hat auf jeden Fall das Zeug dazu. (...) Eine üppige Ausstattung mit fix wechselnden Bühnenbildern und aufwendige Masken wie Kostüme, mitreißende Tanzszenen, zahllose Spezial-Effekte und nicht zuletzt die druck- und kraftvolle Musik sind die dicken Pluspunkte dieser Produktion.

(Mannheimer Morgen, 1.4.2000)

 

Es sind wunderbar überdrehte Typen, die Polanskis heiteres Grusical (...) am Laufen halten. (...) Die Akteure auf der Bühne arbeiten mit großen Gesten und sie sind nur Teil eines großen Ganzen. Gewaltig kommt oft die Musik von Jim Steinman daher. (...) Konnte man den bisherigen Stuttgarter Stella-Produktionen vorwerfen, dass die Musik im besten Fall unauffällig daherkomme, der Vampirreigen birgt eine ganze Reihe eingängiger Melodien, die einen auch noch tags darauf verfolgen. Von Michael Kunze (...) stammen die pointierten Texte und die spielen, wenn's passt, gern auch mal ins Zotenhafte. (...) Tanz der Vampire ist ein perfekt in Szene gesetztes Shower-Märchen, das bei Bedarf aber als Parabel taugt.

(Stuttgarter Nachrichten, 1.4.2000)

 

Wo der Film allerdings die Satire platziert, ist auf der Musicalbühne oft nur Raum für Klamauk und - exzellenten - Slapstick. Gib' dem Affen Zucker, muss die Devise eines Massenmusicals lauten. So fließen die Bilder aus Kino und Bühne ineinander und kriechen Steinmans Versatzstücke aus Rock, Pop und Operettenseligkeit gnadenlos ins Gehör. Heraus kommt auf einer Bühne voller Illusion und zum Sattsehen eine technisch versierte Melange, die dem Genre genügt und in der Tat Spaß macht.

(Heilbronner Stimme, 1.4.2000)

 

Viel Klamauk, wenig Horror. Von tanzenden Vampiren ist da noch nichts zu sehen. Die gesamte erste Hälfte der fast dreistündigen Aufführung spielt im Gasthaus. Nach 90 Minuten ist das Tor des Karpatenschlosses endlich erreicht - in dieser Zeit war die Filmvorlage schon fast beim Finale. Aber es braucht eben seine Zeit, um die 33 Darsteller auf der Bühne ins Spiel zu bringen, 100 Perücken, 230 Kostüme und 25 Szenenwechsel vorzuführen. Monumental ist dieses Spektakel, und deshalb wirkt es auch stellenweise etwas langatmig. Polanski hat diesen Brocken von einer Inszenierung dennoch flott gekriegt: Je mehr Bewegung im Spiel ist, desto besser sieht es aus. Und nach der Pause wird viel getanzt, da dreht das Orchester auf und gibt Jim Steinmans seichte Kompositionen süffig und schmissig.

(Darmstädter Echo, 1.4.2000)

 

Tanz der Vampire klingt wie ein Raubzug durch die Musikgeschichte. Im ersten, "sterblichen" Teil perlt es mal rossinesk, mal gershwinert es, dann lässt es der Komponist sogar anatevkeln. Dabei gelingen ihm ein paar veritable Ohrwürmer. (...) Die Gruft der Vampire entpuppt sich hingegen als Disco-Keller. (...) Hier unterlaufen einige stilistische Entgleisungen in den Symphonic Rock, den wir längst überwunden glaubten. (...) Dennoch: Diese Show hat Biss.

(Berliner Morgenpost, 2.4.2000)

 

Wenn Jim Steinmans Groove aus dem Orchester knallt und sich die Gruften zum Ball Paradox öffnen, wenn die Vampire als fleischgewordene Albträume ums Himmelbett kriechen und schlängeln, wenn sie in einem schrägen Menuett ihr finsteres Fest feiern, dann entsteht Musical-Stimmung mit unverwechselbarer Note.

(Westfalenpost, Hagen, 2.4.2000)

 

Er inszeniert Tanz der Vampire mehr als opulente Ausstattungsrevue mit teilweise opernhafter Statik, denn als mitreißendes Musical. Polanski verlässt sich dabei ganz auf das grandiose, morbid-dekadente Bühnenbild von William Dudley und das stimmungsvolle Lichtdesign von Hugh Vanstone. Und die fast durchkomponierte Musik des in Ehren ergrauten Rockmusikers Jim Steinman kommt dem Konzept entgegen.

(Kölnische Rundschau, 3.4.2000)

 

Alles in allem ist ein faszinierendes Werk auf die Bühne gebracht worden. Tolle Sänger und Schauspieler, ein sehenswertes Tanzensemble, ein 26-köpfiges Orchester, beeindruckende Kulissen, phantasievolle Lichtspiele und eingängige Melodien zeichnen dieses Musical aus. Am Tanz der Vampire wird Stuttgart lange Freude haben.

(Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 3.4.2000)